Deutschland gilt seit Jahren als tollwutfrei.1 Trotzdem sorgte Anfang 2026 ein importierter Hund aus Rheinland-Pfalz bundesweit für Aufmerksamkeit. Der Fall machte sichtbar, wie schnell ein Virus wieder relevant werden kann, das viele längst nur noch aus alten Warnschildern oder Reisehinweisen kennen.
Deutschland gilt als tollwutfrei – ganz verschwunden ist die Gefahr trotzdem nicht
Deutschland ist seit 2008 offiziell frei von terrestrischer Tollwut.1 Terrestrische Tollwut bezeichnet Tollwut bei landlebenden Säugetieren wie Füchsen, Hunden oder Mardern. Vollständig ausgeschlossen sind Infektionen dennoch nicht, weil weiterhin immer wieder infizierte Tiere, insbesondere Hunde, illegal eingeführt werden. Darüber hinaus gibt es Fledermaus-Lyssaviren, die Erreger der Fledermaus-Tollwut.
Tollwut, medizinisch Rabies genannt, ist eine Virusinfektion des Nervensystems, die nach Ausbruch der ersten Symptome nahezu immer tödlich verläuft.2 Tollwut ist eine Zoonose, also eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übergehen kann. Das Rabiesvirus, kurz RABV, ist der klassische Tollwuterreger und wird meist durch Bisse oder Speichel infizierter Säugetiere übertragen.
Dass Deutschland heute als tollwutfrei gilt, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Impfprogramme.1, 2 Vor allem Füchse wurden systematisch mit Impfködern immunisiert. Der letzte Fall von Fuchs-Tollwut in Deutschland wurde 2006 registriert.2
Im Alltag kann der Begriff „tollwutfrei“ allerdings missverständlich sein. Er bezieht sich auf die terrestrische Tollwut bei landlebenden Säugetieren; bei Fledermäusen werden in Deutschland weiterhin verschiedene Lyssaviren nachgewiesen. Für Haustiere spielt diese sogenannte Fledermaus-Tollwut jedoch nur eine sehr geringe Rolle: Erkrankungen nach einem Kontakt mit Fledermäusen sind äußerst selten.3
Eine große Gefahr geht von illegal importierten Tieren aus. Und genau dort begann auch der Fall aus Rheinland-Pfalz.

Ein Relikt alter Zeiten: Ein Tollwut-Warnschild.
Der Tollwut-Fall in Rheinland-Pfalz zeigte ein bekanntes Problem
Im Februar 2026 wurde bei einem jungen Hund in Rheinland-Pfalz Tollwut festgestellt.1, 4 Das Tier stammte ursprünglich aus Russland. Für Kontaktpersonen bestand am Ende keine Gefahr mehr, doch der Fall zeigte sehr deutlich, wie riskant illegale Tierimporte bleiben.
Der Hund lebte im Rhein-Pfalz-Kreis und fiel zunächst durch neurologische Auffälligkeiten auf. Er kam in Quarantäne und starb kurze Zeit später. Anschließend bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut die Infektion mit dem Rabiesvirus.
Besonders heikel war der Blick auf die Unterlagen des Tieres. Impfpass und Mikrochip waren vorhanden. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Behörden jedoch davon aus, dass Dokumente und Angaben nicht authentisch waren. Solche Fälle beschäftigen Veterinärbehörden in Europa seit Jahren. Zwischen 2000 und 2025 wurden europaweit 31 Tollwutfälle bei illegal verbrachten Tieren registriert.1
Die Behörden reagierten schnell. Kontaktpersonen wurden identifiziert und medizinisch beurteilt. Die Postexpositionsprophylaxe, kurz PEP, ist eine Notfallbehandlung nach möglichem Tollwutkontakt und kann den Ausbruch der Krankheit verhindern. Besonders tragisch war, dass die im gleichen Haushalt lebende ungeimpfte Wohnungskatze gemäß Tollwutverordnung euthanasiert werden musste, weil sie Kontakt zu dem infizierten Hund hatte. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts bestand nach diesen Maßnahmen kein Infektionsrisiko mehr.1
Der Fall wirkte für viele Menschen überraschend. Ganz neu ist dieses Problem allerdings nicht.
Wann war der letzte Fall von Tollwut in Deutschland?
Wer nach dem letzten, in Deutschland dokumentierten Tollwutfall, sucht, bekommt je nach Definition unterschiedliche Antworten. Der letzte Fall von Fuchstollwut wurde 2006 registriert.2 Der letzte importierte menschliche Tollwut-Fall trat 2007 nach einer Infektion in Marokko auf.2
Der letzte autochthone menschliche Tollwut-Fall nach einem Hundebiss ereignete sich bereits 1981. Nach einem Fuchsbiss starb zuletzt 1990 ein Mensch in Deutschland an Tollwut.2
Ganz verschwunden ist die Tollwut durch Importfälle trotzdem nicht. 2021 verendete in Bremen ein illegal aus der Türkei eingeführter Hund an Tollwut.1 Der aktuelle Fall in Rheinland-Pfalz reiht sich damit in ein bekanntes Muster ein: Die größte Gefahr entsteht heute nicht mehr durch heimische Wildtiere, sondern durch Tiere aus Regionen mit aktiver Tollwutverbreitung.
Ein Blick in andere europäische Länder zeigt ein ähnliches Bild:
Frankreich gilt wie Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut. Einzelne Fälle treten dennoch auch dort weiter auf, meist durch importierte Tiere. So hatte 2015 ein aus Algerien eingeführter ungeimpfter Hund in Frankreich größere Gesundheitsmaßnahmen ausgelöst.
2019 wurde in Frankreich ein autochthoner menschlicher Tollwut-Fall dokumentiert. Autochthon bedeutet, dass die Infektion im eigenen Land entstanden ist und nicht auf eine Reise zurückging. Hier wurde allerdings eine Infektion mit einem Fledermaus-Tollwuterreger nachgewiesen.
Auch Frankreich zeigt, wie schnell importierte Hunde aus Risikogebieten bei fehlendem Impfschutz das Thema wieder aktuell machen können. Offene Grenzen erleichtern Reisen innerhalb Europas – aber leider auch illegale Tiertransporte.
Österreich wurde wie Deutschland 2008 offiziell für tollwutfrei erklärt. Seit Jahren gelten Wildtierfälle dort als eliminiert. Importierte Infektionen bleiben dennoch theoretisch möglich.
Der letzte tödliche Tollwut-Fall nach einer Wildtierinfektion trat 1979 in Kärnten auf. Der letzte importierte menschliche Todesfall wurde 2004 registriert – nach einem Hundebiss in Marokko.
Seit 2007 wurde in Österreich kein Tollwutvirus mehr bei Wildtieren nachgewiesen. Das gilt als großer Erfolg der Impfprogramme gegen Fuchstollwut in Mitteleuropa.
Die geringe Zahl aktueller Fälle darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie gefährlich die Krankheit weiterhin ist.
Tollwut gehört bis heute zu den tödlichsten Infektionskrankheiten
Tollwut endet nach Symptombeginn fast immer tödlich.5 Genau deshalb behandeln Gesundheitsbehörden bereits Verdachtsfälle mit großer Konsequenz.
Die Inkubationszeit beschreibt die Zeit zwischen der Ansteckung mit Tollwut und dem Auftreten der ersten Symptome. Sie kann wenige Wochen dauern, in seltenen Fällen aber auch deutlich länger.
Besonders typisch sind neurologische Beschwerden. Hydrophobie bedeutet bei Tollwut nicht einfache Angst vor Wasser, sondern krampfartige Schluck- und Panikreaktionen schon beim Versuch, zu trinken. Manche Betroffene reagieren zusätzlich extrem empfindlich auf Luftzug oder leichte Berührungen. Diese sogenannte Aerophobie entsteht durch die Wirkung des Virus im Nervensystem.
Das zentrale Nervensystem, kurz ZNS, umfasst Gehirn und Rückenmark und ist der Bereich, den das Tollwutvirus im Krankheitsverlauf befällt. Dort kann die Infektion eine Enzephalitis auslösen – eine schwere Gehirnentzündung mit massiven neurologischen Ausfällen.
Tückisch ist vor allem eines: Tiere müssen nicht aggressiv oder auffällig wirken. Auch ruhige Hunde oder Katzen können infektiös sein. Deshalb zählt nach einem Tierkontakt primär schnelles Handeln.
Was nach einem Tierbiss zählt: schnell handeln
Nach einem möglichen Tollwutkontakt sollte die Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Danach muss ärztlich abgeklärt werden, ob eine Postexpositionsprophylaxe notwendig ist.
Gerade kleine Kratzer werden häufig unterschätzt. In der Praxis reichen aber unter Umständen schon Speichelkontakte mit verletzter Haut oder Schleimhäuten aus.
Die Postexpositionsprophylaxe besteht meist aus mehreren Impfungen und – bei schweren Expositionen – zusätzlichen Immunglobulinen. Tollwut-Immunglobuline sind fertige Antikörper, die bei schweren Expositionen direkt in und um die Wunde gegeben werden, um das Virus früh zu neutralisieren.
Die Behandlung gilt als äußerst wirksam. Zwischen 1980 und 2022 wurden weltweit jährlich rund 29 Millionen PEP-Behandlungen durchgeführt.
Wissenschaftlich dokumentiert wurden lediglich 122 Durchbruchsinfektionen.5 In vielen dieser Fälle begann die Behandlung zu spät oder wurde fehlerhaft durchgeführt. Besonders häufig entstehen solche Situationen auf Reisen.
Für Hundehalterinnen und Hundehalter sowie Reisende bleibt Vorsicht sinnvoll
Für die meisten Hunde und ihre Menschen in Deutschland ist das Tollwutrisiko gering. Reisen in Tollwut-Endemiegebiete und illegale Tierimporte verändern diese Einschätzung jedoch sofort. Ein Endemiegebiet ist eine Region, in der Tollwut dauerhaft vorkommt und deshalb ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht.
Nach Angaben der WHO sterben weltweit jedes Jahr etwa 60.000 Menschen an Tollwut. Mehr als 95 Prozent der Fälle treten in Asien und Afrika auf. Hunde verursachen weltweit über 99 Prozent aller menschlichen Infektionen.7
Warum die Tollwutimpfung bei Hund und Katze wichtig bleibt
Besonders wichtig bleibt der Impfschutz bei Hunden und Katzen. Gegen Tollwut gibt es für Tiere keinen anderen Schutz als die Impfung. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin stuft die Tollwutimpfung zwar als sogenannte Non-Core-Impfung ein, also als Impfung, die nicht in jeder Lebenssituation verpflichtend ist.8 In der Praxis empfehlen viele Tierärztinnen und Tierärzte sie dennoch auch ohne konkrete Reisepläne – vor allem bei Freigängerkatzen, jagdlich geführten Hunden oder Tieren mit möglichem Kontakt zu Fledermäusen und Wildtieren. Für Reisen innerhalb der Europäischen Union ist eine gültige Tollwutimpfung ohnehin vorgeschrieben und muss im EU-Heimtierausweis dokumentiert sein. Weniger bekannt: Gemäß Tollwutverordnung können ungeimpfte Hunde und Katzen im Verdachtsfall auf behördliche Anordnung hin getötet werden, wenn Kontakt zu einem tollwutverdächtigen Tier bestand. Bei Kontakt mit einem nachgewiesenermaßen tollwutinfizierten Tier ist die Tötung obligat. Tiere mit nachgewiesenem Impfschutz sind von dieser strengen Regelung ausgenommen. Die Impfung schützt dabei nicht nur vor klassischer Tollwut, sondern bietet nach aktuellem Wissensstand auch einen gewissen Schutz gegen Fledermaus-Lyssaviren.
Besonders schwierig bleibt die Situation in Regionen mit vielen streunenden Tieren und niedrigen Impfquoten. In Vietnam starben 2025 insgesamt 82 Menschen an Tollwut. Mehr als 675.000 Personen mussten medizinisch behandelt werden.9
Auch die Ukraine meldet seit Beginn des Krieges deutlich mehr Tierbisse und Probleme bei Impfprogrammen.10 Streunende Hunde, wandernde Wildtiere und eingeschränkte Tierkontrollen verschärfen die Lage zusätzlich.
Für Hundehalterinnen und Hundehalter in Deutschland ergibt sich daraus eine klare Empfehlung: Tiere sollten niemals aus fragwürdigen Quellen übernommen werden. Hinter vermeintlichen Schnäppchen oder spontanen Online-Angeboten stehen immer wieder illegale Transporte mit gefälschten Papieren.
Tollwut in Deutschland ist heute selten. Der jüngste Fall aus Rheinland-Pfalz hat aber gezeigt, dass schon ein einziges infiziertes Tier ausreichen kann, um das Virus plötzlich wieder zum Thema zu machen. Im Zweifelsfall ist in einer solchen Situation ein geimpftes Tier gemäß Tollwutverordnung deutlich besser gestellt.
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1. Friedrich-Loeffler-Institut. (2026, 20. Februar). Aktuelles zur Tollwut in Deutschland. https://www.fli.de/de/aktuelles/kurznachrichten/neues-einzelansicht/aktuelles-zur-tollwut-in-deutschland/
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2. Robert Koch-Institut. (2023). Ratgeber Tollwut. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Tollwut.html
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3. Reinhardt, F., Wendt, S., Pfeffer, M., Freuling, C., Müller, T., & Lübbert, C. (2026). Rabies in Europe: Epidemiology, clinical management, and prevention. Deutsches Ärzteblatt International, 123, 108–114. https://doi.org/10.3238/arztebl.m2025.0220
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4. SWR. (2026). Tollwut-Fall in Hochdorf-Assenheim: Keine Gefahr mehr für Kontaktpersonen. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/tollwut-bei-hund-in-hochstadt-assenheim-100.html
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5. Reinhardt, F., Wendt, S., Pfeffer, M., Freuling, C., Müller, T., & Lübbert, C. (2026). Rabies in Europe: Epidemiology, clinical management, and prevention. Deutsches Ärzteblatt International, 123, 108–114. https://doi.org/10.3238/arztebl.m2025.0220
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6. AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. (o. D.). Tollwut. https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/tollwut
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7. World Health Organization. (2025). Rabies. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/rabies
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8. Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). (o. D.). Leitlinie zur Impfung von Kleintieren. Friedrich-Loeffler-Institut.
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9. CRM Centrum für Reisemedizin. (2026, 13. März). Vietnam: Acht tödliche Tollwut-Fälle in 2026. Tropeninstitut.de. https://tropeninstitut.de/aktuelle-krankheitsmeldungen/13.03.2026-vietnam-tollwut
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10. World Health Organization Regional Office for Europe. (2025, 5. Dezember). Ukraine: Tollwut wird zunehmend zur Bedrohung in Regionen entlang der Frontlinie. https://www.who.int/europe/de/news/item/05-12-2025-ukraine--rabies-is-now-an-increasing-threat-in-frontline-regions