Weil sie nicht sagen kann, wenn etwas nicht stimmt.
Vorsorge kann Lebenszeit schenken. Denn je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Viele chronische Krankheiten lassen sich durch frühzeitige Maßnahmen verlangsamen oder gut kontrollieren und tragen so dazu bei, dass Ihre Katze länger gesund bleibt. Wie wichtig regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind, zeigt auch eine deutschlandweite Aktion, bei der das Blut von 4.765 Katzen untersucht wurde.
Laut einer Nachbefragung von 985 Tierhalterinnen und Tierhaltern im Anschluss an die Aktion war bei 42 % der untersuchten Katzen eine bislang unentdeckte Erkrankung festgestellt worden.
Die stille Krankheit: Warum ältere Katzen krank sein können – ohne dass man es sieht
Ihre Katze frisst, schläft und schnurrt? Für viele Halterinnen und Halter ist das ein Zeichen dafür, dass alles in Ordnung ist. Doch genau darin liegt die Gefahr: Katzen sind Meister darin, Krankheiten zu verbergen. Was in der Natur einst ein Überlebensvorteil war, kann im Alltag zum Problem werden. Denn viele Erkrankungen entwickeln sich schleichend und bleiben lange unbemerkt. Oft fallen sie erst auf, wenn sie bereits fortgeschritten sind.
Wie häufig das vorkommt, zeigt eine prospektive Studie mit 259 scheinbar gesunden Katzen ab sieben Jahren, die 2024 im Journal of Veterinary Internal Medicine veröffentlicht wurde: Schon zu Beginn der Untersuchung litten mehr als 20 % der Tiere an einer chronischen Erkrankung, ohne dass ihre Besitzerinnen und Besitzer etwas davon bemerkt hatten.1 Innerhalb von zwei Jahren entwickelte mehr als die Hälfte der älteren Tiere – also Katzen über zehn Jahre – eine schwerwiegende Erkrankung. Dazu zählten unter anderem Nierenschwäche, eine Schilddrüsenüberfunktion und Diabetes – Erkrankungen, die sich oft schleichend entwickeln und lange ohne sichtbare Symptome verlaufen.
Genau deshalb empfehlen internationale Fachgesellschaften wie International Cat Care sowie die AAHA/AAFP Feline Life Stage Guidelines ab dem siebten Lebensjahr regelmäßige tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen. Nicht, weil eine Katze krank wirkt – sondern gerade weil sie es oft nicht tut, obwohl möglicherweise bereits eine Erkrankung vorliegt.
4.765 Bluttests: Eine Aktion, die genauer hinschaut
Vom 15. Juni bis zum 15. August 2025 bot Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH – einer der weltweit führenden Anbieter von Tierarzneimitteln – Katzenhalterinnen und Katzenhaltern in ganz Deutschland einen kostenlosen Blutcheck für ihre Katze an. Das Prinzip war einfach: Gutschein online herunterladen, Termin in der Tierarztpraxis vereinbaren, Blut abnehmen lassen. Die Laborkosten von rund 60 Euro pro Profil übernahm das Unternehmen vollständig. Die Analyse der Blutproben erfolgte in unabhängigen veterinärmedizinischen Laboren.
Untersucht wurde dabei weit mehr als nur ein Standardwert. Zum geriatrischen Profil gehörten unter anderem das große Blutbild, Nierenmarker wie SDMA, Schilddrüsenwerte sowie weitere Stoffwechselparameter, die auf altersbedingte Veränderungen hinweisen können. Gerade SDMA gilt als wichtiger Frühmarker für eine nachlassende Nierenfunktion: Während dieser Wert bereits bei einem Funktionsverlust von etwa 30 % auffällig werden kann, zeigen herkömmliche Kreatinin-Werte oft erst Veränderungen, wenn rund 75 % der Nierenfunktion bereits verloren gegangen sind.2
Am Ende lagen 4.765 geriatrische Profile vor. Eine Datenbasis, die in dieser Größenordnung für den deutschen Markt außergewöhnlich ist – und eine Auswertung ermöglicht, aus der sich klare Schlüsse ziehen lassen.
4 von 10 Katzen waren krank – ohne sichtbare Anzeichen
42 % der befragten Tierhalterinnen und Tierhalter gaben an, dass bei ihrer Katze eine bis dahin unerkannte Erkrankung festgestellt worden war. Grundlage dafür war die Auswertung von 985 Tierhalter-Befragungen, die im Rahmen der Nacherhebung zur Aktion durchgeführt wurden.
Vier von zehn Katzen galten aus Sicht ihrer Halterinnen und Halter als unauffällig – und waren dennoch krank. Sie fraßen normal, wirkten zufrieden und zeigten keine sichtbaren Beschwerden. Doch die Blutuntersuchung machte deutlich: Hinter dem unauffälligen Verhalten verbarg sich in vielen Fällen bereits eine behandlungsbedürftige Erkrankung.
Die häufigsten Diagnosen der Aktion im Überblick:
- 15 % Nierenerkrankungen
- 12 % Schilddrüsenüberfunktion – häufigste hormonelle Erkrankung ältere Katzen
- 9% Entzündungen: Verschiedene Ursachen
- 4 % Lebererkrankung
- 2 % Diabetes mellitus
Besonders die Hyperthyreose, eine Überaktivität der Schilddrüse, bei der zu viel Schilddrüsenhormon produziert wird, was zu Gewichtsverlust, Herzrasen und Unruhe führen kann – gilt als eine der häufigsten Erkrankungen älterer Katzen überhaupt. Sie ist gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Wird sie es nicht, schädigt das überschüssige Hormon langfristig Herz und Nieren.
Und was passiert nach der Diagnose?
Eine Diagnose allein bewirkt noch nichts. Entscheidend ist, was anschließend daraus folgt. Genau hier zeigen die Daten der Aktion ein ermutigendes Bild: Die meisten Tierhalterinnen und Tierhalter reagierten schnell.
23 % leiteten nach dem Befund eine medikamentöse Behandlung ein. 21 % stellten die Ernährung ihrer Katze um, eine häufig unterschätzte, zugleich aber sehr wirksame Maßnahmen bei z. B. Nierenerkrankungen, da speziell zusammengestellte Diätfuttermittel die verbleibende Nierenfunktion gezielt unterstützen können. Weitere 14 % veranlassten direkt eine weiterführende Diagnostik, etwa Ultraschall oder Röntgen, um den Befund einzugrenzen.
Früherkennung funktioniert – aber nur, wenn sie zu konkretem Handeln führt. Genau das ist hier passiert.
Bewusstsein und Verhalten: Wie die Aktion das Vorsorgeverständnis verändert hat
Vor der Teilnahme an der Aktion gaben 21 % der befragten Katzenhalterinnen und Katzenhalter an, bei ihrer Katze noch nie einen Vorsorge-Bluttest haben durchführen lassen. 34 % erklärten, solche Untersuchungen bereits regelmäßig zu nutzen.
Nach der Aktion wollten 97 % künftig stärker auf Vorsorgetermine achten. 63 % von ihnen gaben an, mindestens einmal pro Jahr eine entsprechende Untersuchung einplanen zu wollen. Das ist ein wichtiges Signal für die Früherkennung von Krankheiten bei Katzen.
Was dabei den Unterschied macht, ist nicht allein Wissen, sondern persönliche Erfahrung. Wer selbst erlebt hat, was ein Blutbild über die Gesundheit der eigenen Katze zeigen kann – ob zur Entwarnung oder mit einem auffälligen Befund –, entwickelt meist ein ganz anderes Bewusstsein für Vorsorge als jemand, der nur allgemein hört, dass Vorsorge wichtig ist. Genau das hat die Aktion erreicht: Sie hat Vorsorge konkret und greifbar gemacht.
Was bei einer Gesundheitskontrolle untersucht wird – und warum jedes Element zählt
Eine gründliche Vorsorgeuntersuchung für Katzen ab sieben Jahren besteht aus mehreren Bausteinen: Bluttest, körperliche Untersuchung, Urinanalyse und weiteren diagnostischen Maßnahmen. Erst das Zusammenspiel dieser einzelnen Untersuchungen liefert Tierärztinnen und Tierärzten ein umfassendes Bild vom Gesundheitszustand der Katze. Die einzelnen Bausteine im Detail:
- Klinische Untersuchung und Gewichtskontrolle: Abhören, Abtasten, Beobachten – und das Körpergewicht. Ungewollter Gewichtsverlust bei Katzen ist eines der frühesten und zuverlässigsten Warnsignale für eine Erkrankung.
- Blutuntersuchung: Blutbild, Organwerte, Schilddrüsenhormone, frühe Nierenmarker wie SDMA. Das Labor liest, was das Auge nicht sehen kann.
- Urinanalyse: Der Urin verrät unter anderem, wie gut die Niere konzentriert – ein zentrales Maß ihrer Funktion, oder ob z.B. Eiweiß, Zucker oder Ketonkörper im Urin vorhanden sind.
- Blutdruckmessung: Bluthochdruck – ein Zustand, bei dem der Druck in den Gefäßen dauerhaft zu hoch ist – tritt bei Katzen mit Nierenerkrankung und Hyperthyreose häufig auf und schädigt ohne Behandlung Augen, Herz, Nieren und Gehirn.
- Weiterführende Diagnostik bei Bedarf: Röntgen, Ultraschall, EKG oder Herzultraschall – immer dann, wenn ein Befund Fragen aufwirft, die weitere Antworten brauchen.
Empfohlen wird: mindestens einmal jährlich ab dem siebten Lebensjahr. Für Katzen über zehn Jahre sprechen viele Tierärztinnen und Tierärzte sogar von halbjährlichen Kontrollen.
Quellen & Methodik
Kerndaten dieser Seite stammen aus der bundesweiten Diagnostikaktion von Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH (Juni–August 2025): 4.765 geriatrische Blutprofile bei Katzen ab 7 Jahren, Nachbefragung von 985 Tierhalterinnen und Tierhaltern. Durchschnittsalter der untersuchten Tiere: 11,33 Jahre; Durchschnittsgewicht: 4,57 kg. Ein einzelner Bluttest kann Hinweise auf Veränderungen liefern; für eine abschließende Diagnose können weitere Untersuchungen notwendig sein.
Sprechen Sie Ihre Tierarztpraxis an
Viele Praxen bieten Vorsorgeprofile für Katzen ab sieben Jahren an. Ein Gespräch – und ein Termin – können der Anfang von etwas Wichtigem sein.
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- Mortier F, Daminet S, Marynissen S, Smets P, Paepe D. Value of repeated health screening in 259 apparently healthy mature adult and senior cats followed for 2 years. J Vet Intern Med. 2024; 38(4): 2089-2098. doi:10.1111/jvim.17138
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- Hall, J.A., Yerramilli, M., Obare, E., Yerramilli, M. and Jewell, D.E. (2014), Comparison of Serum Concentrations of Symmetric Dimethylarginine and Creatinine as Kidney Function Biomarkers in Cats with Chronic Kidney Disease. J Vet Intern Med, 28: 1676-1683. https://doi.org/10.1111/jvim.12445