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Leptospirose: Das Risiko beginnt oft vor der Haustür

Hund trinkt Wasser aus einer Pfütze im Wald. Dabei besteht Gefahr mit Leptospirose-Bakterien in Kontakt zu kommen.

Eine Pfütze am Wegesrand genügt. Ein kurzer Schluck, ein paar Wasserspritzer an Maul oder Nase, vielleicht eine kleine Wunde an der Pfote – schon kann ein Hund mit Leptospiren in Kontakt kommen. Diese Bakterien können eine schwere Infektionskrankheit auslösen.

Entgegen ihrem Ruf ist die Leptospirose längst keine Erkrankung mehr, die nur auf Fernreisen oder für bestimmte Hunde relevant ist. Lange Zeit galt sie vor allem als Risiko für Jagd- und Hofhunde oder für Tiere mit engem Kontakt zu Nutztieren. Dieses Bild ist heute überholt. Der aktuelle Konsensus des American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM), an dem internationale Fachleute für Infektionskrankheiten mitgewirkt haben, kommt zu einer klaren Einschätzung: Jeder Hund kann sich mit Leptospiren infizieren – unabhängig von Alter, Rasse, Lebensweise oder Wohnort.¹
 

Die Erreger sind näher, als viele denken

Leptospiren sind Bakterien, die über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden werden. Gelangen sie in feuchte Erde oder stehendes Wasser, können sie dort über längere Zeit überleben. Nimmt ein Hund die Erreger dann über kleinste Hautverletzungen oder über die Schleimhäute von Maul, Nase oder Augen auf, kann es zu einer Infektion kommen.¹

Als wichtigste Überträger galten lange Zeit Ratten. Heute weiß man, dass deutlich mehr Wildtiere am natürlichen Kreislauf des Erregers beteiligt sind – darunter Mäuse, Igel, Füchse und Wildschweine. Eine aktuelle Untersuchung aus Sachsen-Anhalt fand bei jedem achten untersuchten Wildschwein Antikörper gegen Leptospiren. Besonders häufig wurde dabei die Serogruppe Australis nachgewiesen.² Für Hunde bedeutet das: Auch der ganz normale Spaziergang durch Park, Garten oder Feld kann eine Begegnung mit den Erregern mit sich bringen.

Wildschweine sind an der Verbreitung der Leptospirose in Deutschland beteiligt.

Wichtigste Überträger der Leptospirose sind neben Wildschweinen auch Ratten, Mäuse, Igel und Füchse.

Dass Leptospirose wieder stärker in den Fokus rückt, zeigen auch europäische Daten. Zwischen 2010 und 2021 stieg die Zahl der gemeldeten Erkrankungen beim Menschen im Durchschnitt um rund fünf Prozent pro Jahr. In Deutschland lag der jährliche Anstieg sogar bei knapp acht Prozent; insgesamt wurden in diesem Zeitraum 1.276 bestätigte Fälle gemeldet. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Fallzahlen. Forschende gehen außerdem davon aus, dass die tatsächliche Zahl höher liegt, weil viele Infektionen zunächst unspezifisch verlaufen und deshalb nicht erkannt werden.³

Unscheinbarer Beginn, ernste Folgen

Gerade das macht Leptospirose so gefährlich. Die ersten Anzeichen wirken oft harmlos: Der Hund ist müde, frisst schlechter oder hat Fieber. Erst später zeigt sich, welche Folgen die Infektion haben kann.

Besonders häufig greifen Leptospiren die Nieren und die Leber an. Die Nieren reinigen das Blut von Stoffwechselprodukten, die Leber übernimmt zahlreiche Aufgaben im Stoffwechsel und hilft dabei, Schadstoffe abzubauen. Werden diese Organe geschädigt, kann sich der Gesundheitszustand innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern. In schweren Fällen sind zusätzlich Herz oder Lunge betroffen.¹ Deshalb sollte ein Hund mit plötzlich auftretendem Fieber oder auffälliger Mattigkeit möglichst früh tierärztlich untersucht werden.

Warum sich der Impfschutz verändert hat

Mit dem besseren Wissen über Leptospiren hat sich auch die Impfstrategie weiterentwickelt. Die Bakterien werden in sogenannte Serogruppen eingeteilt – also in Gruppen eng verwandter Leptospiren mit ähnlichen Merkmalen. Impfstoffe sind auf bestimmte Serogruppen ausgerichtet und bieten gezielten Schutz gegen die Varianten, die sie enthalten. 

Leptospirose-Impfstoffe unterscheiden sich darin, welche Serogruppen sie abdecken. Einige Impfstoffe richten sich gegen zwei Serogruppen: L. Canicola und L. Icterohaemorrhagiae. Vierfach-Impfstoffe decken zusätzlich L. Grippotyphosa und L. Australis ab.

Diese Erweiterung kommt nicht von ungefähr. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass L. Icterohaemorrhagiae und L. Australis heute zu den häufigsten Serogruppen in Europa gehören.¹ Auch die Wildschwein-Studie aus Sachsen-Anhalt unterstreicht die Bedeutung von Australis.² Ein Vierfach-Impfstoff bietet deshalb den umfassendsten verfügbaren Schutz gegen die derzeit wichtigsten Serogruppen.

Der Heimtierausweis für Haustiere.

Vorsorge schützt am zuverlässigsten

Eine überstandene Leptospirose schützt nicht dauerhaft vor einer erneuten Erkrankung. Deshalb empfehlen Fachleute auch Hunde zu impfen, die die Infektion bereits einmal durchgemacht haben.¹

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) stuft die Leptospirose-Impfung als CORE-Impfung ein. Sie gehört damit zu den Impfungen, die für jeden Hund als notwendig empfohlen werden.

Hunde werden auch künftig begeistert durch Pfützen laufen oder am Bachufer schnüffeln. Das sollen sie auch. Mit einem zeitgemäßen Impfschutz lassen sich die Risiken dieser alltäglichen Abenteuer deutlich verringern.

  • 1. Sykes, J. E., Francey, T., Schuller, S., Stoddard, R. A., Cowgill, L. D., & Moore, G. E. (2023). Updated ACVIM consensus statement on leptospirosis in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine, 37(5), 1966–1982.

  • 2. Stagnoli, A., House, R. V., Hagemann, J., Dohmann, K., Pfeffer, M., & Albrecht, C. (2025). Seroprevalence of 16 Leptospira Serovars in Wild Boar (Sus scrofa) Hunted in Saxony-Anhalt, Germany. Animals, 15(18), 2725.

  • 3. Beauté, J., Innocenti, F., Aristodimou, A., et al. (2024). Epidemiology of reported cases of leptospirosis in the EU/EEA, 2010 to 2021. Eurosurveillance, 29(7), 2300266.