Wenn die Katze zittert, sorgt das bei vielen Halterinnen und Haltern sofort für Unruhe. Katzen zeigen Schmerzen oder Unwohlsein meist erst sehr spät, weshalb ein sichtbares Zittern schnell die Alarmglocken läuten lässt. Gleichzeitig gilt: Nicht jedes Zittern ist ein Notfall. Manche Auslöser sind harmlos, andere dagegen sollten unbedingt in der Tierarztpraxis abgeklärt werden. Die folgenden Abschnitte helfen Ihnen einzuordnen, wann und warum Katzen zittern, und welche Signale Sie ernstnehmen sollten.
Einordnung: Warum dieser Text keine Diagnose ersetzt
Die möglichen Ursachen für Zittern sind breit gefächert. Jede Katze bringt ihre eigene Vorgeschichte, ihr Alter, ihren Gesundheitszustand und ihre individuellen Reaktionen mit. Daher kann dieser Text nur Orientierung geben, aber niemals eine tierärztliche Diagnose ersetzen.
Zittern bei Katzen: Was ist eigentlich normal?
Ein sanftes Zucken im Schlaf ist bei Katzen vollkommen üblich. Viele träumen intensiv, zucken mit den Pfoten oder bewegen den Schwanz, als würden sie jagen. Auch eine vibrierende Schwanzspitze im Wachzustand sagt zunächst wenig über Krankheiten aus – oft zeigt sie lediglich neugierige Spannung oder freudige Erwartung, etwa wenn Ihre Katze Sie begrüßt.
Wie wir Menschen können auch Katzen frieren. Zittern dient dann als körpereigene Heizung, zum Beispiel, wenn sich Ihre Katze längere Zeit an einem kühlen Ort aufgehalten hat. Besonders sehr junge und alte sowie abgemagerte oder durchnässte Katzen kühlen relativ schnell aus. Mit einer warmen Decke oder einem gemütlichen, gut isolierten Plätzchen hört das Zittern jedoch meist schnell auf.
Anders sieht es aus, wenn Ihre Katze plötzlich ohne ersichtlichen Anlass zittert, im Ruhezustand bebt oder beim Liegen unruhig wirkt. Dann lohnt es sich, genauer hinzusehen und – im Zweifel – tierärztlichen Rat einzuholen.
Neurologische Ursachen: Wenn das Nervensystem aus dem Takt gerät
Ein häufiger medizinischer Grund für Zittern bei Katzen liegt im Nervensystem. Angeborene oder später erworbene Veränderungen im Gehirn können einen Tremor hervorrufen – ein unwillkürliches Muskelzittern, das die Katze nicht bewusst kontrollieren kann. Vor allem Erkrankungen des Kleinhirns oder entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem führen dazu, dass eine Katze wackelig wirkt oder Bewegungen weniger präzise ausführt.1
Manchmal treten auch sogenannte fokale Anfälle auf. Sie sind viel kleiner als ein typischer epileptiformer Krampfanfall und zeigen sich eher als fein wiederkehrendes Muskelzucken oder kurze „Aussetzer“. Weil sie so subtil sind, werden sie leicht übersehen – zumal sie auf den ersten Blick wie harmloses Zittern wirken können.2
Ebenso gibt es seltene idiopathische Tremorformen, bei denen trotz gründlicher Diagnostik keine eindeutige Ursache gefunden wird. Gerade wenn Zittern regelmäßig oder bei Aufregung verstärkt auftritt, gehört die Katze in tierärztliche Hände.3
Muskuläre Ursachen: Wenn der Muskel selbst das Zittern auslöst
Manchmal liegt der Ursprung des Zitterns direkt in der Muskulatur. Einige seltene angeborene Muskelerkrankungen führen dazu, dass Katzen bei Belastung zittern, schwach werden oder kurz in den Hinterbeinen nachgeben.4
Deutlich häufiger steckt jedoch schlichte Erschöpfung dahinter: Nach wildem Spiel oder einem unerwarteten Sprint kann eine Katze kurz zittrig wirken, weil die Muskeln überbeansprucht wurden. Mit ein wenig Ruhe verschwindet dieses Zittern schnell wieder.
Hält das Zittern jedoch an oder tritt schon bei geringer Anstrengung auf, könnte eine neuromuskuläre oder entzündliche Erkrankung dahinterstecken. Wird die Katze zusätzlich schwächer oder springt sie weniger sicher, ist eine tierärztliche Untersuchung dringend angezeigt.
Infektiöse Ursachen: Wenn Krankheitserreger den Körper durcheinanderbringen
Infektionen können Zittern sowohl direkt als auch indirekt auslösen. Einige Viren befallen das Nervensystem, andere Erreger reizen Muskeln oder Nerven. Auch Erkrankungen, die zu starkem Durchfall, Fieber oder Flüssigkeitsverlust führen, können bei geschwächten Katzen Zittern verursachen, da ihr Mineralstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät.3, 5
Tritt das Zittern zusammen mit Appetitverlust, Erbrechen, Fieber oder ungewöhnlicher Müdigkeit auf, ist ein Besuch in der Tierarztpraxis zwingend erforderlich.
Stoffwechselstörungen: Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht kommt
Unser Stoffwechsel reagiert empfindlich auf Veränderungen, und bei Katzen ist das nicht anders. Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) führt häufig zu Zittern, Nervosität und Unsicherheit. Betroffen sind besonders Kätzchen, sehr schlanke Katzen oder Tiere mit Diabetes mellitus.6, 7
Auch ein Mangel an Kalzium oder Kalium kann einen Tremor auslösen, weil die Muskeln nicht mehr zuverlässig arbeiten. Umgekehrt kann ein zu hoher Kalziumwert ähnliche Beschwerden verursachen.7
Solche Störungen gehen oft mit Müdigkeit, Gewichtsverlust oder vermehrtem Trinken einher – in der Regel ein Anlass für eine Blutuntersuchung in der Tierarztpraxis.
Leberprobleme und Vitaminmangel: Oft erst spät bemerkt
Die Leber ist ein zentrales Organ des Stoffwechsels. Wenn sie geschädigt ist, gelangen Abbauprodukte ins Blut, die das Gehirn beeinträchtigen können. Das äußert sich mitunter in Orientierungslosigkeit, verändertem Verhalten oder leichtem Zittern.1
Auch ein Vitamin-B1-Mangel kann Zittern hervorrufen. Fehlt dieses Vitamin über längere Zeit, leidet das Nervensystem – und das zeigt sich in unsicherem Gang, Krampfneigung oder Muskelzittern. Früh erkannt, lässt sich ein Mangel gut behandeln.8
Emotionale Ursachen: Stress, Angst – und pure Vorfreude
Zittern bedeutet nicht immer Krankheit. Viele Katzen zittern, wenn sie gestresst oder überfordert sind: beim Tierarzt, auf Autofahrten oder bei lauten Geräuschen. Der Körper schaltet dann in Alarmbereitschaft, Herz und Muskulatur arbeiten intensiver – und dieses innere „Anspannen“ wird von außen sichtbar.
Angst und leichte Schmerzreaktionen gehören zu den häufigsten Gründen für Zittern bei ansonsten gesunden Katzen. Verschwindet der auslösende Reiz, legt sich das Zittern meist schnell wieder.
Katze zittert im Schlaf: Wann es harmlos ist – und wann nicht
Im Traum bewegt sich der Katzenkörper oft mehr, als man denkt. Leichtes Zittern, Pfotenzucken oder Vibrieren gehören dazu. Sollte Ihre Katze im Schlaf jedoch stark beben, kaum ansprechbar wirken oder zusätzlich verkrampfen, könnte eine neurologische Ursache dahinterstecken.
Katze zittert im Ruhezustand oder beim Liegen: Das sollten Sie wissen1-6
Zittern ohne jede Aktivität ist ein Signal, genauer hinzuschauen. Beobachten Sie, ob weitere Hinweise hinzukommen:
- schnellere Atmung
- Appetitverlust
- Rückzug
- berührungsempfindliche Bereiche
- ein schwankender oder unsicherer Gang
Treten solche Begleiterscheinungen auf, ist eine tierärztliche Untersuchung ratsam.
Wann sollte ich mit meiner zitternden Katze zum Tierarzt?1-6
Sie sollten Ihre Katze vorstellen, wenn
- das Zittern plötzlich beginnt
- es regelmäßig wiederkehrt
- weitere Symptome auftreten
- die Katze apathisch oder ungewöhnlich unruhig wirkt
- ein Verdacht auf Vergiftung besteht
Je früher die Ursache gefunden wird, desto größer die Chance, dass Ihrer Katze rasch geholfen werden kann.
Zittern ernst nehmen – aber Ruhe bewahren
Wenn Ihre Katze zittert, ist das nicht automatisch ein Krankheitszeichen. Träume, Kälte, Freude und Stress gehören ebenso zum Spektrum wie körperliche Erkrankungen. Wichtig ist, aufmerksam zu bleiben und im Zweifel tierärztlichen Rat einzuholen. Oft liegt die Lösung näher, als man denkt – und ein kurzer Check gibt Sicherheit.
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1. Liatis T, Bhatti SFM, De Decker S. Tremors in cats: 105 cases (2004-2023). Vet J. 2025 Feb;309:106292. doi: 10.1016/j.tvjl.2024.106292. Epub 2024 Dec 17. PMID: 39701372.
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2. Spot Pet Insurance. (2023). Why is my cat shaking? https://spotpet.com/blog/cat-tips/why-is-my-cat-shaking
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3. EveryCat Health Foundation. (2023). Tremor syndrome in cats. https://everycat.org/cat-health/tremor-syndrome-in-cats/
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4. Universities Federation for Animal Welfare. (n.d.). Devon Rex – Hereditary myopathy. https://www.ufaw.org.uk/cats/devon-rex---hereditary-myopathy
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5. American Veterinary Medical Association. (n.d.). Feline panleukopenia. https://ebusiness.avma.org/files/productdownloads/FelinePanleukopenia_En.pdf
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6. Alison Jukes, Marcus Gunew, Rhett Marshall "Severe muscle fasciculations and tremor in a cat with hypochloraemic metabolic alkalosis secondary to duodenal obstruction," Journal of Feline Medicine and Surgery Open Reports, 3(1), (1 January 2020)
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7. Jukes A, Gunew M, Marshall R. Severe muscle fasciculations and tremor in a cat with hypochloraemic metabolic alkalosis secondary to duodenal obstruction. JFMS Open Rep. 2017 Jan 1;3(1):2055116916686427. doi: 10.1177/2055116916686427. PMID: 28491446; PMCID: PMC5415295.
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8. Royal Veterinary College. (2017, March 6). RVC clinicians identify source of recent spate of thiamine-deficiency cats. Royal Veterinary College. https://www.rvc.ac.uk/news-and-events/rvc-news/rvc-clinicians-identify-source-of-recent-spate-of-thiamine-deficiency-cats