Wenn Ihr Hund Gras frisst, sind Sie damit nicht allein. Viele Hundehalterinnen und -halter beobachten dieses Verhalten regelmäßig und fragen sich, ob das normal ist oder vielleicht ein Warnsignal. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist Grasfressen völlig harmlos. Tatsächlich fressen laut Studien rund zwei Drittel aller Hunde hin und wieder Gras – ganz ohne krank zu sein.1, 3 Doch warum tun sie das? Und woran erkennen Sie, ob mehr dahintersteckt?
Ein uraltes Verhalten: Warum Hunde überhaupt Gras fressen
Das Grasfressen gehört zu den ältesten und natürlichsten Verhaltensweisen unserer Vierbeiner. Auch die wilden Verwandten des Hundes – also Wölfe, Dingos und Kojoten – fressen regelmäßig Pflanzen. In Studien wurde nachgewiesen, dass 74 Prozent aller Wolfs-Kotproben im Sommer Pflanzenreste enthielten, meist Gras.2 Das bedeutet: Grasfressen ist kein modernes Kuriosum, sondern tief in der Evolution verankert.
Viele Forscherinnen und Forscher vermuten, dass es sich um ein instinktives Verhalten handelt, das der Gesundheitspflege dient. Faserige Pflanzen wie Gras können durch ihren hohen Ballaststoffgehalt dabei helfen, die Darmpassage zu erleichtern. Fressen die Hunde frisches Gras, kann der hohe Vitamingehalt ein Grund dafür sein. Besonders junge Hunde fressen oft mehr Gras als ältere – damit haben sie ein höheres Risiko, sich mit Lungenwürmern und anderen Endoparasiten zu infizieren.
Wenn Welpen von Mama lernen
Neben der genetischen Veranlagung scheint auch das soziale Lernen eine Rolle zu spielen. In einer Untersuchung zeigte sich, dass Welpen, deren Mutter häufig Gras fraß, ebenfalls häufiger zu Grashalmen griffen. Offenbar übernehmen Hunde dieses Verhalten durch Nachahmung.6
Auch wir Menschen können unbewusst dazu beitragen: Wenn wir jedes Mal reagieren, sobald unser Hund Gras frisst – etwa mit einem Ruf oder einem besorgten Kommentar –, verstärken wir das Verhalten möglicherweise. Aus Hundesicht bekommt er schließlich Aufmerksamkeit. Fachleute empfehlen daher, das Grasfressen im normalen Rahmen einfach zuzulassen. Es ist ein arteigenes Normalverhalten, kein Fehlverhalten, das aberzogen werden müsste.
Grasfressen als normales Verhalten im Alltag1
Nicht jeder Hund frisst Gras aus gesundheitlichen Gründen. Oft ist es schlicht ein Teil seines ganz normalen Alltagsverhaltens.
Gerade junge Hunde sind neugierig und probieren vieles aus. Sie erkunden ihre Umgebung mit Maul und Nase, und die frischen Halme schmecken offenbar gar nicht so schlecht. Für viele Hunde ist das Kauen auf Gras ein angenehmes Ritual, das ihnen schlicht Spaß macht.
Auch Langeweile oder Stressabbau können eine Rolle spielen. Das gleichmäßige Kauen wirkt beruhigend, ähnlich wie Kaugummikauen beim Menschen. Es kann helfen, Anspannung abzubauen und Endorphine freizusetzen. Wenn Ihr Hund also nach einem aufregenden Spaziergang oder einer stressigen Begegnung Gras zupft, könnte das einfach sein Weg sein, sich zu entspannen.
„Mein Hund frisst viel Gras und erbricht – ist das gefährlich?“
Das ist wahrscheinlich die häufigste Sorge vieler Hundehalterinnen und -halter. Und tatsächlich: Manche Hunde fressen viel Gras und erbrechen kurz danach. Aber das ist seltener, als man denkt.
In großen Umfragen gaben nur 8–9 % der Besitzerinnen und Besitzer an, dass ihr Hund nach dem Grasfressen Anzeichen von Übelkeit zeigt. Und nur rund ein Viertel der Hunde erbricht überhaupt nach dem Fressen von Gras. Das bedeutet: Drei von vier Hunden fressen Gras, ohne sich zu übergeben.6
Das widerlegt die alte Volksweisheit, dass Hunde Gras fressen, um sich absichtlich zum Erbrechen zu bringen. Meist passiert genau das Gegenteil: Sie fressen es einfach und fühlen sich dabei wohl. Wenn dein Hund viel Gras frisst und nicht erbricht, ist das also völlig unbedenklich.
Allerdings: Wenn Ihr Hund plötzlich sehr viel Gras frisst und jedes Mal erbricht, oder zusätzlich Symptome wie Appetitlosigkeit, Bauchschmerz oder Durchfall zeigt, sollten Sie den Tierarzt aufsuchen. Dann kann eine Magenreizung, Gastritis oder ein Fremdkörper dahinterstecken.
Grasfressen als Verdauungshilfe
Tierärztinnen und -ärzte vermuten, dass Gras auch dabei hilft, den Magen-Darm-Trakt in Schwung zu halten. Zähe Grashalme regen die Darmbewegung an und können helfen, Haare oder Fremdkörper leichter auszuscheiden. Besonders Hunde mit dichter Unterwolle verschlucken beim Putzen immer wieder Haare. Ähnlich wie Katzen nutzen manche Hunde Gras, um diese „Haarballen“ loszuwerden.
Aber Achtung: Gras ersetzt keine Behandlung! Wenn Ihr Hund einen Stock, einen Knochen oder ein Stück Spielzeug verschluckt hat, kann das gefährlich werden – hier hilft nur die Tierarztpraxis. Darüber hinaus können scharfe Gräser den Rachen reizen. Husten, Würgen oder Blutspuren nach dem Grasfressen sind immer ein Alarmsignal.

Es wird vermutet, dass Gras auch dabei hilft, den Magen-Darm-Trakt beim Hund in Schwung zu halten.
Reine Ballaststoff-Sache? Warum Futter kaum Einfluss hat
Ballaststoffe spielen für die Verdauung eine wichtige Rolle – sie fördern die Darmbewegung und unterstützen eine gesunde Verdauung. Doch obwohl Gras reich an Ballaststoffen ist, fressen Hunde es nicht, weil ihnen diese Stoffe fehlen würden.
In einer Studie bekamen Hunde abwechselnd Futter mit und ohne pflanzliche Rohfaser (Luzerne-Heu). Das Ergebnis: Beide Gruppen fraßen gleich häufig Gras. Der Ballaststoffgehalt hatte also keinen Einfluss, ebenso wenig wie die Fütterungsart, ob Trocken-, Nass- oder Rohfutter.6
Auch ein Nährstoffmangel spielt keine Rolle. Kommerzielle Hundefutter decken den Bedarf vollständig ab, und selbst Folsäure (bei Katzen oft ein Grund für Grasfressen) ist beim Hund kein Thema. Viele Futtersorten enthalten ohnehin geringe Mengen getrockneter Grünpflanzen wie Luzerne.6
Kurz gesagt: Grasfressen hängt nicht mit der Zusammensetzung des Futters zusammen. Hunde fressen Gras unabhängig von ihrer Ernährung – nicht aus Mangel, sondern aus Instinkt. Als Allesfresser (Omnivoren) nehmen sie tierische und pflanzliche Nahrung gleichermaßen an; Gras ist dabei eher Gewohnheit als Notwendigkeit.
Wenn Grasfressen zum Risiko wird
Gelegentliches Knabbern an frischem Gras ist harmlos. Dennoch gibt es einige Punkte, auf die Sie achten sollten:
- Chemikalien: Rasenflächen, die mit Dünger, Pestiziden oder Herbiziden behandelt wurden, sind tabu.
- Verunreinigungen: Auf öffentlichen Wiesen können sich Parasiten-Eier oder Giardien befinden.
- Schnecken: Beim Grasfressen nehmen Hunde versehentlich auch kleine Schnecken wie Nacktschnecken mit auf. Diese Schnecken sind Zwischenwirte für Lungenwürmer. Lungenwürmer siedeln sich beim Hund – je nach Art – in der Lunge oder den Blutgefäßen an und können so Krankheitssymptome verursachen. Hunde, die regelmäßig Gras fressen, sollen daher monatlich gegen Lungenwürmer behandelt werden, empfiehlt die ESCCAP.
- Scharfe Halme: Manche Gräser (z. B. mit Grannen) können im Rachen stecken bleiben und Verletzungen verursachen.
Sichere Alternative: Lassen Sie ihren Hund lieber im eigenen Garten oder auf naturbelassenen Wiesen naschen. Weiches, süßes Gras ist unbedenklich und ihr Hund kann seinem Instinkt folgen, ohne Risiko.
Info: Gibt es spezielles „Brechgras“?7
Manche Hunde fressen plötzlich große Mengen Gras und brechen kurz darauf. In einer indischen Beobachtung wurde dabei eine bestimmte Grasart identifiziert: Cynodon dactylon, auch bekannt als Bermudagras oder „Hundsgras“. Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass dieses Gras einen natürlichen Brechreiz auslösen kann. Ob Hunde es gezielt suchen, ist nicht belegt. Der Name „Hundsgras“ zeigt jedoch, dass diese Beobachtung kein Zufall zu sein scheint. In solchen Fällen gilt: Wenn das Verhalten selten auftritt und der Hund sich danach wohlfühlt, ist es unbedenklich. Wiederholt sich das häufig, lieber tierärztlich abklären lassen.
Was das Verhalten über ihren Hund verrät
Wenn Ihr Hund Gras frisst, zeigt er damit ein Verhalten, das tief in seiner Natur verwurzelt ist. Es bedeutet nicht, dass er krank oder unzufrieden ist. Im Gegenteil, viele Hunde tun es aus Neugier, Wohlbefinden oder Routine.
Als Halterin bzw. Halter müssen Sie nur dann eingreifen, wenn das Verhalten plötzlich übermäßig wird oder von Beschwerden begleitet ist. Dann kann eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll sein.
In allen anderen Fällen gilt: Ein Hund frisst Gras, weil er damit einem natürlichen Instinkt folgt. Sie können ihn also getrost ein paar Grashalme naschen lassen.
-
1. Hart, B.L. (2008). Why do dogs and cats eat grass? Veterinary Medicine, 103(12), 648-649.
-
2. Müller, S. (2006). Diet composition of wolves (Canis lupus) on the Scandinavian peninsula determined by scat analysis (Diploma thesis, School of Forest Science and Resource Management, Technical University of Munich, Germany). Available from https://www.carnivoreconservation.org/files/thesis/muller_2006_dpl.pdf
-
3. Sueda, K. L. C., Hart, B. L., & Cliff, K. D. (2008). Characterisation of plant eating in dogs. Applied Animal Behaviour Science, 111(1–2), 120-132. https://doi.org/10.1016/j.applanim.2007.05.018
-
4. Revill-Hivet, E., Mallil-Messara, K., Justy, F., Cerqueira, F., et al. (2025). Pioneering DNA metabarcoding analysis of the African wolf (Canis lupaster) diet. Mammalian Biology, 105(2). https://doi.org/10.1007/s42991-025-00489-9
-
5. Hart, B. L. & Hart, L. A. (2018). How mammals stay healthy in nature: the evolution of behaviours to avoid parasites and pathogens. Phil. Trans. R. Soc. B, 373, 20170205. https://doi.org/10.1098/rstb.2017.0205
-
6. Beynen, A. C. (2020). Diet and grass eating in dogs. Bonny Canteen, 1, 89-94.
-
7. Kandwal MK, Sharma ML. Conydon dactylon (L.) Pers.: a self-treatment grass for dogs. Current Sci 2011; 101: 619-621.